Die Zukunft und der Dokumentarfilm


Um den heutigen, komplexen Herausforderungen zu begegnen, werden kreative Perspektiven und neue Impulse immer wichtiger. Nichts ist so einfach wie es scheint und es gilt Weitblick, Offenheit und Neugier nicht zu verlieren. Wir brauchen visionäre, kreative, quer- oder um-die-Ecke-denkende, junge Leute, die uns diese Perspektiven aufzeigen.

Dokumentarfilm kann genau das leisten. Er ist das ideale Medium für sinnliche Wahrnehmung, Information, Erfahrung. Er ist – wie die bildende Kunst - das Resultat einer persönlichen Suche nach Standpunkten, nach Erkenntnissen. Wahrscheinlich war es nie so wichtig wie heute, eine junge Generation von Filmemachern bei dieser Suche zu unterstützen.

Deshalb gibt es den Musenraum.


Der Musenraum will jungen Dokumentarfilmschaffenden, die sich den Fragen der Zukunft und des Mensch-Seins stellen, einen Gedankenraum für die Entwicklung ihrer Debutfilme nach der Ausbildung zur Verfügung stellen. Zwei Mal im Jahr treffen sich die Teilnehmer für 5 Tage, um ihre Ideen und Projekte zu diskutieren – gemeinsam und in Einzelterminen. Oft sind es die einfachen Dinge, die bei der Begleitung von Filmprojekten am meisten helfen: Zeit zu reden und zuzuhören. Ernst nehmen und ermutigen. Wachsen lassen. Daneben wird es noch Referate und Workshops zu ausgewählten Themen der Dramaturgie, der Bildgestaltung oder auch der Malerei und der Philosophie geben. Das Konzept ist hier bewußt offen gewählt und kann projektorientiert angepasst werden. Drei Tutoren und die ganze Teilnehmergruppe werden dabei für den nötigen Input sorgen. Darüberhinaus gibt es für die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, sich bei dringenden Fragen auch zwischen den Intensivwochen beraten zu lassen.

Zielgruppe des Musenraums sind deutschsprachige Filmemacher*innen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Südtirol. Die Erfahrung zeigt, dass die Diskussion eines “Herzensthemas” in der Muttersprache am leichtesten fällt – ansonsten gelten im Musenraum natürlich keine nationalen oder kulturellen Grenzen.

Die Aufnahme in den Musenraum kann zu jeder Zeit und in jedem Projektstadium erfolgen. Die Diskussion eines Rohschnittes ist ebenso erwünscht, wie die allererste, zaghafte Vorstellung einer unsagbar vagen Idee. Was im Musenraum beprochen wird, bleibt im Musenraum. Konkurrenzdenken wird durch ein Klima der Offenheit und des Vertrauens vermieden.

Die Teilnahme am Musenraum kostet nichts. Es ist meine Überzeugung, dass eine Gesellschaft den Input ihrer kreativen, künstlerischen Mitglieder zur Weiter-entwicklung braucht und sie dementsprechend unterstützen sollte. Der Musenraum wird getragen von einem gleichnamigen, gemeinnützigen Verein, der sich über Spenden finanziert. Die Aufnahme in das Musenraum Programm ist unbürokratisch und formlos.

Der Musenraum will kreative, gute, nachhaltige Filme mit Perspektiven auf den Weg bringen. Nicht am Markt vorbei, aber auch nicht auf den Markt getrimmt. Er verfolgt dabei ein unspektakuläres und einfaches Konzept - manchmal sind die Dinge halt nicht kompliziert.


Thomas Riedelsheimer


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